Paul war sich nicht ganz im klaren darüber, was genau er von der Aktion eigentlich erwartete. Er mußte über sich selber schmunzeln, als er die letzten Einstellungen an der Videokamera vornahm. Er hatte sie auf einem Stativ so ausgerichtet, daß ihr Objektiv genau sein Bett erfasste. Er verband noch die Kamera mit dem Festplattenrecorder und ging dann ins Bad. Während er sich die Zähne putzte, kamen ihm plötzlich Zweifel, ob das, was er vorhatte, wirklich ratsam war. Sich selber beim Schlafen auf Video aufzunehmen, war das nicht etwas kindisch?, fragte er sich. Doch wie oft hatte er in der letzten Zeit diese Schmerzen und Atemnot, die aber immer wieder ausklangen, wenn er schweißgebadet aufwachte und sich im Bett aufrichtete. Immer öfter fühlte er sich morgens wie gerädert, als wäre er über Nacht auf einer Streckbank gefoltert worden. Schließlich litt schon seine Arbeitsleistung darunter und er fing an Tabletten zu nehmen. Sein Arzt hatte ihm diese Tabletten verschrieben, jedoch halfen die ihm einfach nicht. Sein Arzt machte immer wieder einen ratlosen Eindruck. Dann hatte Paul diesen Bericht über ein Schlaflabor gesehen. Und so kam er also auf die verrückte Idee, eine Nacht die Videocamera im Schlafzimmer laufen zu lassen, da er befürchtete Schlafzuwandeln oder ähnliches. Er wollte einfach wissen, ob sich während seines Schlafes eventuell irgendetwas ausergewöhnliches ereignete, das diese Symptome hervorrief. Nein, wenn er so darüber nachdachte; so kindisch war das nicht, es war schon das richtige. Am nächsten Morgen würde er mehr wissen, wenn er die Aufnahme angeschaut hätte. Er ging ins Schlafzimmer, schaltete die Kamera, die auf Nightshoot eingestellt war, sowie den Festplattenrecorder ein und warf noch einen letzten, prüfenden Blick durchs Okular. Alles stimmte, und so legte er sich ins Bett. Der Radiowecker zeigte 21:30 an. Paul zog die Decke hoch bis zum Hals und schlief auch bald darauf ein. In dieser Nacht wurde er nur einmal wach, aber wiederum schweißgebadet und mit diesen Schmerzen und der Atemnot. Für einen Moment war er versucht die Aufnahme zu stoppen und sich das bisher aufgenommene anzuschauen, doch verwarf er den Gedanken gleich wieder. Er schaute auf die Uhr: 00:42. Er ging kurz ins Bad, wechselte den Schlafanzug und trank etwas Wasser aus dem Wasserhahn. Dann ging er wieder ins Bett. Als der Radiowecker ertönte, fühlte Paul sich wieder wie gerädert. Er schaltete den Radiowecker aus, der 05:30 anzeigte und ging, wie unter Hypnose, ins Bad. Als er fertig rasiert und gewaschen war und er nach dem Frühstück gerade seine Jacke anzog, da viel ihm der Festplattenrecorder ein, den er beinahe vergessen hätte. Er ging ins Schalfzimmer und schaltete den Recorder und die Kamera aus. Dann machte er sich auf den Weg zur Arbeit. Als er nach Feierabend nach Hause kam, war er voller Neugier über den Inhalt der Nachtaufnahme. Doch er zwang sich selber zur Disziplin und machte sich zunächst etwas zu Essen. Als er gegessen und gespült hatte, machte er sich endlich daran den Festplattenrecorder ins Wohnzimmer zu bringen und ihn am TV-Gerät anzuschließen. Gerade als er einschalten wollte, klingelte das Telefon. Es war Uschi; seine Arbeitskollegin. "Hi! Ich wollte nur mal fragen, ob Du heute Abend Zeit und Lust hättest auszugehen?" "Ich weiß nicht", antwortete Paul, "Kann ich Dich in ner Stunde zurückrufen ?" "Klar", sagte Uschi, "ich bin zu Hause." "OK, dann bis später", sagte Paul. "Bis später", erwiderte Uschi, dann legten sie auf. Paul schaltete nun Fernseher und den Recorder ein. Er sah sich, wie er sich hinlegte und bald einschlief. Ziemlich unspektakulär, dachte Paul bei sich. Nach einigen Minuten wurde es ihm zu lang und er beschleunigte die Wiedergabegeschwindigkeit. Und auch im Schnelllauf, blieb die Aufnahme unspektakulär. Doch dann, als der Timecounter 00:04:08 anzeigte, tat sich was. Etwas tauchte im Bild auf, etwas das aussah wie...eine Gestalt. Paul spürte wie sich sein Rücken zusammenzog und ein kalter Schauer von ihm Besitz ergriff. Nervös und mit zitternden Fingern schaltete er den Schnellsuchlauf auf rückwärts. Bei 00:00:00 schaltete er auf Normalgeschwindigkeit. Er sah sich da liegen, und dezent konnte er sich atmen hören. Dann, bei 00:03:45, war noch etwas anderes zu hören, etwas, das sich anhörte, als wenn jemand in den letzten Zügen läge. Pauls Herz krampfte sich zusammen und schlug, wie wild. Bei 00:04:01 schälte sich eine hellgrün leuchtende Gestalt aus dem Dunkelgrün der Nightshootaufnahme. Sie tauchte aus dem Hintergrund auf und bewegte sich vom Fußende des Bettes auf das Kopfende zu. Diese Gestalt hatte die Konturen eines Menschen, doch war sie durchsichtig und statt eines Antlitzes, war da nur eine schimmernde hellgrüne Fläche. Paul merkte wie es ihm die Kehle zuschnürte. Sein Herz raste... 31.01.2009 FORTSETZUNG FOLGT
Diese Geschichte begann ich im Januar 2009 zu schreiben und postete den Anfang auf meinem alten myspace-Account, doch einige Wochen später, bevor ich weiter an ihr arbeiten konnte, wurde der Film "Paranormal activity" angekündigt, der genau das gleiche Thema zum Gegenstand hatte. Ich gab daraufhin die Komplettierung dieser Story auf, und es blieb also bei diesem ersten Teil.
Samstag, 24. September 2011
VERZWEIFLUNGSTAT (Betrachtung)
Los Angeles
Ein Vater tötet seine fünf kleinen Kinder, dann seine Frau und sich selbst, wegen Verlust des Arbeitsplatzes. Man ist fassungslos und eine große Traurigkeit überkommt einen, bei einer solchen Meldung. Man fragt sich, ob es vielleicht vorher Signale gegeben hat, die von Oberflächlichkeit und Ignoranz übersehen/überhört wurden ? Hätte mehr Sensibilität vielleicht helfen, es verhindern können ? Jedenfalls sagt uns eine solche Meldung eines ganz deutlich: Die Welt braucht mehr Sensibilität!
WINTERFREUDE (Erlebnis)
Und plötzlich ist der Winter da. Alles verschneit und es bleibt liegen, und die Kinder müßen nicht nach einer halben Stunde enttäuscht wieder ihre Schlitten heimbringen. Ich gehe über schneebedeckte Wege durch die Natur und überall toben Kinder ausgelassen im Schnee; schaufeln mit kleinen Kinderschaufeln, mit denen sie ansonsten Sandkästen oder Strände attackieren, geräumten Schnee lachend auf die Straße, oder bauen Schneemänner. Überall kreuzen Kinder mit Schlitten den eigenen Weg oder man wird von Eltern überholt, die ihren Kindern als Schlittenpferd dienen. Ein Mädchen mit Zopf, mit einem Zweig als Gerte, treibt ihren Vater fröhlich an, ihren Schlitten schneller zu ziehen. Eine Mutter fährt mit ihrem Sohn auf einem Schlitten einen Abhang hinunter, verfolgt von zwei übermütigen Hunden, die sich ein Wettrennen mit dem Schlitten zu liefern scheinen. Eine Frau die per Nordic Walking durch den Schnee stapft, wird von einem Mann auf Skiern überholt. Die frostige Luft knistert unter den Sonnenstrahlen und der Schnee knirscht und knackt unter den eigenen Schritten. Tief saugt man die frische Winterluft ein und ein Wohlbehagen erfüllt das Herz und die Seele. Wenn man die Menschen so sieht, wie sie sich mit kindlicher Freude im und am Schnee vergnügen, wie sie Playstation, TV und DVD-Player vergessen zu haben scheinen...wie wenig es doch oft bedarf um Menschen mit Freude zu erfüllen und glücklich zu machen.
06.01.2009
ENGEL FÜR EINEN STERBENDEN HUND (Erlebnis)
Am 01.Januar fuhr ich Abends nach Krefeld, um dort Verwandte zu besuchen. Auf der B 288, kurz vor der Auffahrt auf die Uerdinger Brücke, stand rechts und links der Fahrbahn jeweils ein Fahrzeug mit eingeschaltetem Warnblinklicht. Leute waren zu sehen und von dem rechten Fahrzeug machte eine Frau Anstalten die Fahrbahn, in Richtung des Fahrzeugs auf der Linken Seite, zu überqueren, so hatte ich den Eindruck. Ich dachte noch, na, du wirst doch wohl mein Fahrzeug wahrgenommen haben , verringerte die Geschwindigkeit und hielt mich bremsbereit. Doch sie wartete ab, bis ich vorbei war. Dann sah ich in der Mitte der Fahrbahn ein großes Tier liegen, regungslos. Ich dachte an ein Reh, auch wegen der Nähe des Waldes. Ich fuhr rechts ran und schaltete ebenfalls Warnblink an. Ich stieg aus und dann erkannte ich, daß es sich bei dem Tier um einen großen Hund handelte, während ich fragte, ob ich irgendwie helfen könne. Die Frau vom Fahrzeug auf der rechten Seite kam auf mich zu und wirkte ziemlich mitgenommen. Es stellte sich heraus, daß der Hund, der ein breites Halsband trug, völlig allein auf die Fahrbahn gelaufen und von dem Auto, das am linken Fahrbahnrand stand, erfaßt wurde. Die Fahrerin, eine sehr junge Frau, war auch ausgestiegen. Die Frau vom rechten Fahrzeug meinte, sichtlich mit den Tränen ringend, daß man das arme Tier doch nicht so da liegen lassen könne und verzweifelte daran, daß die meisten Fahrzeuge ungebremst vorbeifuhren. Schon hatte sie den Hund gepackt und schleppte ihn an den rechten Fahrbahnrand, wo sie ihn ablegte. Ich holte aus meinem Wagen eine Rettungsfolie, die ich im Handschuhfach hatte, denn man konnte das Tier schließlich nicht auf dem frostigen Boden liegen lassen. Wir breiteten sie aus, legten das Tier darauf und packten es darin ein.Ich selber konnte optisch keine Lebenszeichen wahrnehmen, jedoch auch keine Verletzungsspuren. Es war allerdings ja auch schon sehr dunkel. Dann sah ich einen kleinen Blutfleck. Eine andere junge Frau, mit einer Nasencreole und einer bunten Strickwollmütze, kniete neben dem Hund, hielt eine Hand auf seinen Kopf und immer wieder ihr Ohr an seine Brust. Sie meinte, daß da noch Lebenszeichen wären, aber man müße ihn gehen lassen, er wolle gehen. Ich rief die Polizei an, nachdem mir ein Mann meine Frage verneinte, ob schon jemand dies getan hätte. Doch schließlich sah ich die junge Frau, vor deren Wagen der Hund gelaufen war, ebenfalls mit dem Handy telefonieren. Sie sagte mir dann, sie habe auch schon die Polizei angerufen und es würde jemand kommen. Die Frau vom Wagen auf der rechten Fahrbahnseite meinte, der Hund sei auf die Fahrbahn zugelaufen und sie hatte keine Möglichkeit gehabt ihn zurückzuhalten, dann habe sie es auch schon knallen hören. Sie sei selber mit ihrem Hund spazierengegangen und gerade auf dem Weg zu ihrem Fahrzeug gewesen. Schließlich traf ein Streifenwagen ein und die Polizisten meinten erst, die junge Frau, die beim Hund kniete, sei das Frauchen. Mehrmals sprach ein Polizist sie an, bis sie schließlich ihren Blick von dem Tier löste, ihren Kopf hob und dies verneinte, worauf sie sich sofort wieder dem Tier widmete. Die Polizei wollte das Tierheim anrufen. Dann fuhr vor meinem Wagen ein Fahrzeug rechts ran. Ein Mann stieg aus und kam telefonierend auf uns zu, "ja, das ist der Robby", hörte ich ihn sagen und "kannst du das Blaulicht sehen?". Es war der Hundehalter. Die Frau vom Wagen am rechten Fahrbahnrand verabschiedete sich einige Minuten später, immer noch sichtlich mitgenommen und auch ich verlies dann diesen Ort und fuhr weiter. Da ich selber ein großer Tier- und speziell Hundefreund bin, ließ auch mich dieses Erlebnis nicht unbeeindruckt. Woran ich oft denken muß, ist die junge Frau, die trotz der Eiseskälte und mit immer stärker tropfender Nase, bei dem Hund auf dem blanken, frostigen Boden kniete, nicht von seiner Seite wich und ihm mit ihrer Hand, tief über ihn gebeugt, etwas Wärme, besonders aber mitfühlende Nähe spendete. Ich weiß nicht, was aus dem Tier geworden ist, ich zweifle aber, daß es überlebt hat. Doch das Verhalten dieser jungen Frau, es ist wie eine kleine Flamme der Menschlichkeit im Eissturm. Ich bin mir sicher, daß diese Frau eine Erkältung davon getragen hat. Ihr Verhalten hat mich am Herzen und an der Seele berührt.
04.01.2009
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